Essen und Trinken in Polen – Ein kulinarischer Reiseführer
Die polnische Küche ist bodenständig, oft deftig und stark von ihren Nachbarn beeinflusst. Rezepte aus Deutschland, Osteuropa und der jüdischen Tradition gehören hier ganz selbstverständlich zusammen. Dieser Überblick zeigt, was in Polen wirklich auf den Tisch kommt und wo du die besten Spezialitäten findest.
Essen zu gehen ist in Polen relativ günstig und die Kosten sind abseits der großen Touristenmeilen in Warschau oder Krakau spürbar niedriger als in Deutschland. So kostet ein ordentliches Hauptgericht in einem soliden Restaurant meist zwischen 10 und 15 Euro.
Die wichtigste Mahlzeit des Tages ist das Mittagessen (Obiad), das traditionell zwischen 12 und 17 Uhr eingenommen wird und meist aus einer Suppe, einem deftigen Hauptgang und einer süßen Nachspeise besteht. Wenn du unter der Woche mittags unterwegs bist, findest du in vielen Restaurants preiswerte Menüs. Erst ab 18 Uhr folgt das meist etwas leichtere Abendessen (Kolacja).
Für den schmalen Geldbeutel sind die legendären Milchbars (Bar Mleczny) ein guter Tipp. Sie sind Relikte der sozialistischen Ära und servieren heute als Kult-Imbisse einfache, hausgemachte Speisen wie Pierogi oder Gulasch. Oft kostet eine sättigende Mahlzeit dort weniger als 7 Euro. Selbst die gehobene Gastronomie bleibt erschwinglich. So kostet ein Drei-Gänge-Menü in einem Spitzenrestaurant oft deutlich weniger als beispielsweise in Berlin.
Beim Bezahlen verhält es sich ähnlich wie in Deutschland und ein Trinkgeld von etwa 10 % ist angemessen.
Polnische Suppen
Polen ist ein Suppenland. Die Portionen sind oft so groß, dass sie eine eigene Mahlzeit bilden. Das wohl berühmteste Gericht ist der tiefrote Barszcz (Borschtsch). Meist wird er als klare Brühe serviert, in der Uszka schwimmen. Das sind kleine, mit Pilzen oder Fleisch gefüllte Teigtaschen. Im Frühjahr wandelt sich das Gericht zur Botwinka aus jungen Rübenblättern. Im Sommer dagegen kommt der Borschtsch als Chłodnik auf den Tisch. Diese kalte, pinkfarbene Suppe mit Sauermilch oder Kefir wird mit frischen Gurken, Radieschen und Dill zubereitet.
Żurek solltest du ebenfalls probieren. Diese sämige Suppe basiert auf Zakwas, einem Gäransatz aus Roggenmehl, der für das typisch säuerliche Aroma sorgt. Traditionell wird er mit Stücken kräftiger Rauchwurst und einem hartgekochten Ei gereicht, oft rustikal im ausgehöhlten Brotlaib.

Auch die Gurkensuppe, Zupa Ogórkowa, schmeckt köstlich. Fein geriebene Salzgurken verleihen ihr den charakteristischen Geschmack, der durch Kartoffeln und einen Schuss Sahne abgerundet wird. Ergänzt wird die Speisekarte oft durch saisonale Spezialitäten wie die cremige Pilzsuppe (Zupa Grzybowa) oder leichte Kräutersuppen im Frühling.
Salate und Rohkost in Polen
Polnische Salate heißen Sałatki oder Surówki und bestehen meist aus fein geriebenem Gemüse.Die Mizeria ist ein kühler Gurkensalat mit Dill und saurer Sahne, der fast jedes Fleischgericht begleitet. Ebenso unverzichtbar für Festessen ist die Sałatka Jarzynowa, ein gehaltvoller Gemüsesalat aus gekochten Kartoffeln, Karotten, Erbsen und Eiern in Mayonnaise.
Zu deftigem Braten servieren Köche häufig einen feinen Krautsalat mit Kümmel (Surówka z Kapusty). Eine besondere Beilage, die auf fast jedem Teller liegt, sind die sogenannten Ogórki Kiszone. Diese fermentierten Salzgurken liegen als würzige Beilage auf fast jedem Teller und werden in vielen anderen polnischen Rezepten ebenfalls verwendet.
Pierogi
Pierogi erinnern optisch an Ravioli und bestehen aus einem einfachen Nudelteig. Meist werden sie gekocht und mit zerlassener Butter oder mit Röstzwiebeln serviert. Mein absoluter Favorit sind die Pierogi Ruskie, die mit einer Mischung aus Kartoffelstampf, Quark und Zwiebeln gefüllt sind.
In der Weihnachtszeit gibt es herzhafte Varianten mit Sauerkraut und Waldpilzen. Süßmäuler finden auf der Speisekarte oft Desserts mit Quark oder saisonalen Früchten wie Heidelbeeren, die meist mit einem Klecks Sahne garniert werden.

Polnische Fleischgerichte und Wurstwaren
Fleisch bildet die Grundlage der meisten Hauptmahlzeiten. Die polnische Küche nutzt vor allem Schwein und Rind, aber auch Wild aus den heimischen Wäldern. Viele Fleisch- und Wurstsorten erhalten ihren charakteristischen Geschmack erst durch das Räuchern.
Bigos
Bigos ist das polnische Nationalgericht schlechthin.In diesem Eintopf landen Sauerkraut, frischer Weißkohl, verschiedene Fleischstücke, Speck und Wurst. Das Gericht wird über mehrere Tage hinweg wiederholt aufgewärmt. Dadurch verliert der Kohl seine Säure und es entsteht ein kräftiger, leicht süßlicher Geschmack.
Jede Familie hat ihr eigenes Rezept. Oft kommen getrocknete Waldpilze, Backpflaumen oder ein Schuss Rotwein für eine dunkle, fruchtige Note hinzu. Bigos ist ein klassisches Winteressen und wird mit dunklem Brot oder Salzkartoffeln serviert. Da er sich gut in großen Mengen vorbereiten lässt, fehlt er bei kaum einer größeren Feier.
Tatar (Befsztyk Tatarski)
Polnisches Tatar besteht aus rohem Rinderfilet. In Polen werden die Beilagen meist nicht vorab vermischt. Zwiebeln, Salzgurken, Champignons und frisches Eigelb liegen separat auf dem Teller. Man mischt sein Tatar am Tisch selbst und würzt es mit Senf, Salz und Pfeffer. Dazu gibt es Butter und dunkles Bauernbrot oder Toast.

Kotlet Schabowy und Zrazy
Das Kotlet Schabowy ist das Standardgericht in polnischen Haushalten. Es ist ein paniertes Schweinekotelett, ähnlich einem Schnitzel, aber meist dicker. Ein weiterer Klassiker sind Zrazy. Für diese Rinderrouladen verwendet man eine Füllung aus Speck, Zwiebeln, Senf und Essiggurken. Das Fleisch schmort so lange, bis es mürbe ist. Typische Beilagen sind Rotkohl und Kartoffelstampf oder Buchweizengrütze (Kasza).

Polnische Fischgerichte
Fisch ist in Polen eng mit den Fastentagen verknüpft. Vor allem an Freitagen und an Heiligabend ist Fisch das Hauptgericht Nummer eins. Die Auswahl reicht von Meeresfischen aus der Ostsee bis zu Süßwasserfischen aus den Masuren.
Der wichtigste Fisch der polnischen Küche ist der Hering. Er wird in unzähligen Varianten serviert, unter anderem mariniert in Öl mit Zwiebeln, in Sahnesoße mit Äpfeln oder in Aspik. Unter den Edelfischen ist der Zander besonders geschätzt, dessen festes Fleisch meist gebraten oder im Ofen mit Kräutern zubereitet wird. Auch Hecht, Aal und Lachs werden gerne verarbeitet.
Neben klassischen Bratfischgerichten gibt es Spezialitäten wie Fisch in Tomatensoße oder mit einer würzigen Gemüsebeilage aus Sellerie und Zwiebeln, die in Polen oft als Fisch auf griechische Art bezeichnet wird.
In den kleinen Räuchereien in den Häfen an der polnischen Ostseeküste wird der Fang des Tages direkt über Holzrauch verarbeitet. Frisch geräucherte Makrele, Flunder oder Sprotten werden oft noch warm direkt auf Papier verkauft und einfach mit Brot gegessen.

Süßspeisen und Gebäck
Ein Klassiker der polnischen Backtradition ist der Sernik. Dieser Käsekuchen basiert auf festem Quark, der ihm eine kompakte Konsistenz verleiht. Ebenso verbreitet ist der Makowiec, eine saftige Mohnrolle aus Hefeteig, die meist mit einer Schicht Zuckerguss überzogen ist. In den Bäckereien gehören Pączki zum Standard. Diese Hefekrapfen sind oft mit Hagebuttenkonfitüre gefüllt und mit Puderzucker oder kandierten Orangenschalen bestreut. Sie werden am „Fetten Donnerstag“ vor der Fastenzeit in ganz Polen in großen Mengen gegessen.
In den Sommermonaten gibt es flache Blechkuchen mit saisonalem Obst wie Waldbeeren, Kirschen oder Pflaumen. Überhaupt ist frisches Obst in der polnischen Küche allgegenwärtig. Blaubeeren, Himbeeren und Wilderdbeeren aus den heimischen Wäldern werden entweder pur gegessen, zu Kompotten verarbeitet oder als Füllung für Teigtaschen verwendet. Eine besondere regionale Spezialität ist der Baumkuchen Sękacz. Dieser wird über offenem Feuer an einem Spieß gebacken, sodass das herabtropfende Teiggemisch seine charakteristische Zackenform annimmt.

Typische Getränke in Polen
In polnischen Restaurants stehen Wodka und Bier im Vordergrund. Zu Hause werden oft Klassiker nach alten Familienrezepten serviert.
Bier (Piwo)
Polen hat eine der höchsten Brauereidichten Europas. Neben großen Marken wie Żywiec oder Tyskie gibt es inzwischen auch viele polnische Craft-Bier-Brauereien. Meist wird helles Lagerbier oder Pils getrunken. Auf vielen Karten stehen auch schwere, dunkle Porter-Biere. Im Winter gibt es Piwo Grzane, ein warmes Bier, das mit Sirup, Nelken und Zimt gewürzt ist.

Wodka
Wodka ist das Nationalgetränk Polens. Man trinkt ihn traditionell pur und gut gekühlt direkt zum Essen. Bekannte Marken sind Luksusowa auf Kartoffelbasis oder Chopin. Eine Besonderheit ist der Żubrówka, ein Bisongras-Wodka mit Waldaroma. Als Mixgetränk „Szarlotka“ mit Apfelsaft schmeckt er fast wie flüssiger Apfelkuchen. Als Abschluss einer Mahlzeit sind zudem aromatisierte Sorten wie Haselnusswodka (Orzech Laskowy) verbreitet.
Ein Besuch in einer polnischen Bierbar oder einem Brauereirestaurant ist nicht nur ein Genuss für Bierliebhaber, sondern auch eine Gelegenheit, die polnische Gastfreundschaft und die Liebe zum Detail in der Braukunst zu erleben.
Met (Miód pitny)
Met ist vergorener Honigwein und zählt zu den ältesten alkoholischen Getränken Polens. Das Mischverhältnis bestimmt die Kategorie. So besteht ein Półtorak aus zwei Teilen Honig und einem Teil Wasser. Das macht ihn sehr süß und schwer. Der Dwójniak ist etwas leichter, aber dennoch gehaltvoll. Man trinkt Met meist bei Zimmertemperatur oder im Winter heiß.
Nalewki
Diese Liköre entstehen aus Früchten, Kräutern oder Nüssen, die in hochprozentigem Alkohol ziehen. Typische Sorten sind Quitte (Pigwówka), Sauerkirsche (Wiśniówka) oder Walnuss (Orzechówka). Viele Familien stellen ihre eigenen Nalewki her. Geschmack und Stärke variieren daher von Haus zu Haus. Sie dienen meist als Abschluss einer Mahlzeit.
Wein, Kaffee und Alkoholfreies
In südlichen Regionen wie Lublin oder Zielona Góra wächst der polnische Weinbau. Winzer keltern dort vorrangig fruchtige Weißweine. Eine Kaffeespezialität ist der Kawa po staropolsku. Er wird mit einer Sahnehaube und einer Prise Zimt serviert.
Typisch ist weiterhin Kompot, ein kühles Getränk aus gekochten Äpfeln, Kirschen oder Beeren. Eine herbe Alternative dazu ist der Kwas Chlebowy (Brottrunk). Dieser malzige, leicht säuerliche Durstlöscher entsteht durch die Fermentation von Roggenbrot.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Essen in Polen
Das polnische Nationalgericht ist Bigos, ein herzhafter Eintopf aus Sauerkraut, Kohl und verschiedenen Fleischsorten wie Wurst oder Wild. Ebenfalls als Nationalgericht gelten Pierogi. Diese Teigtaschen werden klassisch mit Kartoffeln und Quark, Fleisch oder saisonalem Obst gefüllt und serviert.
Neben Lagerbier gilt Wodka als polnisches Nationalgetränk, das traditionell pur oder als Bisongras-Variante, Żubrówka, serviert wird. Eine historische Besonderheit ist der Honigwein Met (Miód pitny). Alkoholfrei sind hausgemachter Kompot aus Früchten sowie der malzige, leicht säuerliche Brottrunk Kwas Chlebowy verbreitet.
An Heiligabend werden zwölf fleischlose Gerichte wie Karpfen oder Barszcz mit Uszka serviert. Zu Ostern isst man die säuerliche Żurek sowie die Festtagskuchen Mazurek und Babka. Am „Fetten Donnerstag“ werden traditionell Unmengen an Krapfen (Pączki) gegessen.
Der fleischlose Heiligabend folgt der katholischen Tradition. Statt Fleisch kommen zwölf Gerichte auf den Tisch, die symbolisch für die Apostel stehen. Typisch sind Fischgerichte mit Karpfen sowie Barszcz und Pierogi mit Pilzfüllung.