Polenurlaub mit dem Auto – Tipps und Informationen
Ein Urlaub an der polnischen Ostsee mit dem Auto? Die Strecke ist seit Jahren sicher und unkompliziert und Autodiebstähle sind kein Thema mehr.
Du brauchst Führerschein, Fahrzeugschein und Warnwesten für alle Insassen. Achte auf die 0,2-Promille-Grenze, Maut nur auf privaten Autobahnen (A1, Teile A2/A4) und ab 2026 Umweltzonen in Städten. Hier die wichtigsten Regeln, damit du stressfrei ankommst – von Dokumenten über Tempolimits bis hin zu Bußgeldern.
Führerschein und Papiere
Mit dem deutschen Führerschein kannst du problemlos in Polen fahren – er gilt hier uneingeschränkt.
Nimm den Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I) mit. Die Grüne Karte ist nicht mehr Pflicht, macht aber bei Unfällen die Abwicklung leichter. Bei Mietwagen brauchst du die Mietpapiere.
Fährt jemand anderes? Dann eine Bevollmächtigung des Halters mitnehmen (Muster bei der polnischen Botschaft), außer der Halter sitzt selbst mit im Auto.
Aktuelle Infos direkt bei der Polnischen Botschaft Berlin.
Maut in Polen
Alle staatlichen Autobahnen sind seit Juli 2023 für Pkw/Wohnmobile bis 3,5 t mautfrei.
Maut zahlst du nur an Mautstationen dieser privaten Strecken (bar Złoty/Euro-Scheine, Karte, App):
- A1 Rusocin (Gdańsk)–Nowa Wieś (Toruń) (~30 Złoty)
- A2 Świecko–Konin (~100 Złoty)
- A4 Katowice–Kraków (~20-30 Złoty)
Für Ostsee-Urlauber: Die typische Küstenroute von Świnoujście nach Kołobrzeg oder Gdańsk via DK6/DK10/A6 ist komplett mautfrei (bis 3,5 t).
Fahrzeuge über 3,5 t (LKW, Busse, schwere Camper): e-TOLL auf allen Autobahnen, Schnellstraßen (S) und vielen DK – ca. 3.800+ km:
- A1, A2, A4 (komplett)
- S5, S7, S8, S17 (wichtige Abschnitte)
- Neue Abschnitte seit Nov. 2024: S5 Goleniów–Koszalin, S6 etc.
Zusätzliche Informationen zum System e-TOLL findest du in der Broschüre der deutschen Botschaft in deutscher oder englischer Sprache.
Autodiebstahl
In den 90ern war Polen bekannt für Autodiebstähle – damals wurden Tausende Fahrzeuge aus Westeuropa gestohlen und zerlegt. Heute ist das Geschichte: EU-Standards, bessere Grenzkontrollen und die polnische Polizei haben das Problem weitgehend gelöst. Die Diebstahlrate liegt inzwischen im EU-Durchschnitt.
Verkehrsvorschriften in Polen
Tempolimits für Pkw
Wenn nichts anderes ausgeschildert ist:
| Bereich / Straße | Tempo |
|---|---|
| Innerorts | 50 km/h |
| Außerorts | 90 km/h |
| Schnellstraße (S), einspurig je Richtung | 100 km/h |
| Schnellstraße (S), getrennte Fahrbahnen | 120 km/h |
| Autobahn (A) | 140 km/h |
| Wohnzone | 20 km/h |
Ortsschild und Tempo
Am Ortseingang steht oft zuerst ein grünes Schild mit dem Ortsnamen. Das bedeutet nicht automatisch Tempo 50. Die innerörtliche Regel beginnt erst am Schild mit der Stadtsilhouette. Wenn am Ortseingang direkt ein Tempo-Schild hängt, gilt natürlich dieses Limit.
Wichtige Regeln, die oft übersehen werden
In Polen gilt Lichtpflicht, auch tagsüber. Tagfahrlicht reicht, wenn es zugelassen ist. Das Handy ist nur mit Freisprecheinrichtung erlaubt. Außerorts müssen Fußgänger bei Dunkelheit reflektierende Elemente tragen.
Am Zebrastreifen musst du Fußgänger auch dann durchlassen, wenn sie erkennbar ansetzen, den Überweg zu betreten. Ein Feuerlöscher ist Pflicht bei Fahrzeugen mit polnischer Zulassung, also oft bei Mietwagen vor Ort.

Bußgelder und Punkte in Polen
Seit 2022 sind die Bußgelder und Strafpunkte in Polen spürbar verschärft worden. Gerade bei Tempoverstößen und Ablenkung am Steuer wird es schnell teuer. Dazu kommt ein wichtiger Punkt: Bei Wiederholung desselben schweren Verstoßes innerhalb eines bestimmten Zeitraums kann sich der Betrag verdoppeln („recydywa“).
Typische Bußgelder (Auswahl)
Geschwindigkeit
- bis etwa +30 km/h: grob 100–400 zł
- ab +31 km/h: ab 800 zł, je nach Überschreitung deutlich mehr
- sehr hohe Überschreitungen können zusätzlich ein Fahrverbot in Polen auslösen
Handy, Gurt, Parken
- Handy ohne Freisprecheinrichtung: 500 zł und 12 Punkte
- ohne Gurt: 100 zł (Punkte je nach Situation)
- Falschparken: oft 100–300 zł, bei schweren Fällen mehr
Punktesystem
Polen führt ein eigenes Punktekonto. Das System betrifft auch Fahrer ohne Wohnsitz in Polen, wirkt aber praktisch nur in Polen. In deinem Heimatland werden keine Punkte eingetragen.
Alkohollimit und harte Konsequenzen
Die Grenze liegt bei 0,2 Promille und gilt auch für Radfahrer.
Zwischen 0,2 und 0,5 Promille ist es eine Ordnungswidrigkeit. Ab über 0,5 Promille wird es strafrechtlich.
Seit 14. März 2024 kann bei schweren Alkohol-Delikten zusätzlich die Einziehung des Fahrzeugs oder des Gegenwerts drohen.
Tankstellen und Ladesäulen in Polen
Kraftstoffe an polnischen Tankstellen
An den Zapfsäulen siehst du meist diese Bezeichnungen:
- PB95: Benzin mit 95 Oktan. In Polen ist das seit 2024 häufig als E10 gekennzeichnet.
- PB98: Benzin mit 98 Oktan. Das ist oft E5.
- ON (olej napędowy): Diesel.
- LPG: Autogas.
An vielen Stationen stehen zusätzlich die EU-Kraftstofflabels wie E5/E10 bei Benzin und B7 bei Diesel. Das hilft dir beim schnellen Abgleich.
Preise
Beim Tanken liegt Polen meist unter dem deutschen Niveau. Aktuell ist der Abstand bei Benzin in der Regel größer als bei Diesel. Den aktuellen EU-Vergleich findest du im Weekly Oil Bulletin der EU-Kommission.
E-Autos in Polen
Das Ladenetz wächst weiter. Entlang der Hauptachsen und in großen Ballungsräumen findest du meist genug Auswahl. Auf dem Land ist die Dichte niedriger. Deshalb planen wir passende Ladestationen auf längeren Strecken besser vor. Das gilt besonders, wenn du auf AC-Laden angewiesen bist.
Vor der Fahrt lohnt es sich, eine Lade-App einzurichten und Roaming zu prüfen. Dann stehst du an der Säule nicht ohne Zahlungsmöglichkeit da.
Parken
In kleineren Orten ist Parken oft unkompliziert. Häufig ist es kostenlos, solange du nicht auf einem privaten Parkplatz stehst oder in einer ausgewiesenen Parkzone landest. In touristischen Orten betrifft Gebühren meist das Zentrum oder Strandnähe.
In großen Städten arbeiten viele Kommunen mit gebührenpflichtigen Parkzonen. Achte auf die Zonenschilder und die Zeiten. In einigen Innenstädten gibt es zusätzlich eine City-Zone, in der Gebühren auch an Wochenenden gelten können.
Die Tarife sind je Stadt verschieden. Als grobe Orientierung liegen zentrale Lagen oft im Bereich von rund 5 bis 9 zł pro Stunde. An der Ostsee gibt es zudem Saisonzonen. In Kołobrzeg ist zum Beispiel eine saisonale Zone nur in den Sommermonaten aktiv.

Panne und Unfall
Es ist ratsam, einen europäischen Unfallbericht (Deutsch-Polnisch / Deutsch-Englisch) mitzuführen, um den Unfallhergang dokumentieren zu können. In Mietfahrzeugen sollte das Formular bereits hinterlegt sein. Kontrolliere bei der Abholung des Fahrzeugs auch, ob Warnwesten, Verbandskasten und Warndreieck vorhanden sind. Beim Verlassen des Fahrzeugs muss außerhalb geschlossener Ortschaften eine reflektierende Warnweste getragen werden, die für alle Fahrzeuginsassen gut erreichbar im Auto liegen sollten.
Bei einem Unfall müssen Polizei und gegebenenfalls Rettungskräfte über die Notrufnummer 112 (997 Polizei) kontaktiert werden. Bei Sprachproblemen kannst du die Polizei um einen Übersetzer bitten. Es wird empfohlen, sich ein Exemplar des Polizeiprotokolls für die spätere Schadensregulierung aushändigen zu lassen.
Straßenkarte Polen
Kinder im Auto in Polen
In Polen zählt die Körpergröße. Kinder unter 150 cm müssen in einem zugelassenen Kindersitz oder auf einer Sitzerhöhung gesichert werden.
Ein Kindersitz ist auch dann Pflicht, wenn dein Kind schon 12 oder älter ist, aber noch unter 150 cm misst.
Ein rückwärts gerichteter Sitz auf dem Beifahrersitz ist nur erlaubt, wenn der Airbag deaktiviert ist.
Mietwagen und Carsharing
Mietwagen sind in Polen weit verbreitet und leicht verfügbar. Du kannst in Berlin sowie in den größeren polnischen Städten wie Stettin oder Danzig und in beliebten Ferienorten problemlos ein Auto mieten. Internationale Anbieter wie Hertz, Europcar, Avis und Sixt haben Niederlassungen an den Flughäfen und bieten eine breite Auswahl an Fahrzeugen an. Darüber hinaus kannst du Mietwagen auch in großen Hotels und über einige Reisebüros buchen.
Die Mietpreise für Autos in Polen sind vergleichbar mit denen in Deutschland. Der Tagespreis inkl. Vollkasko für ein Fahrzeug liegt bei ca. 50 € für einen Kleinwagen und 75 € für einen größeren Kombi. Örtliche Anbieter können mitunter günstigere Preise anbieten, daher lohnt es sich, verschiedene Optionen zu vergleichen.
Zusätzlich zu klassischen Mietwagen gibt es auch Carsharing-Dienste in den größeren Städten Polens. Anbieter wie zum Beispiel Traficar ermöglichen es dir, ein Auto für kurze Zeiträume zu mieten. Abgerechnet wird je nach Anbieter meist über Zeit und Kilometer.
Häufig gestellte Fragen übers Autofahren in Polen
Für die Fahrt nach Polen solltest du Führerschein und Zulassungsbescheinigung Teil I dabeihaben. Als Nachweis der Kfz-Haftpflicht reicht bei deutschen Fahrzeugen in der Regel das Kennzeichen. Die Grüne Versicherungskarte ist nicht Pflicht, wird aber empfohlen, weil sie bei einem Unfall die Regulierung erleichtert. Wenn du nicht der Halter bist, nimm zusätzlich eine Nutzungsvollmacht des Halters mit.
Ja, grundsätzlich schon. Es gibt kein allgemeines Verbot. Entscheidend ist, dass du dort stehst, wo Parken erlaubt ist, und dass keine Platzordnung oder lokale Regeln dagegen sprechen. Meide Autobahnränder, Wälder abseits ausgewiesener Parkplätze sowie Nationalparks und Reservate, wenn Übernachten dort nicht ausdrücklich erlaubt ist.
Entscheidend ist das Gewicht. Bis 3,5 t gelten für dich im Alltag meist die Pkw-Regeln.
Über 3,5 t gelten niedrigere Tempolimits, auf Autobahn und Schnellstraße oft nur 80 km/h.
Für Fahrzeuge oder Gespanne über 3,5 t läuft die Maut auf vielen Strecken elektronisch über e-TOLL.
Freistehen ist kein „Polen-Sonderfall“, aber in sensiblen Bereichen wie Nationalparks und an der Küste sind offizielle Plätze die bessere Wahl.
Mit Pkw oder Wohnmobil bis 3,5 t zahlst du Maut vor allem auf den Konzessionsautobahnen A1 (AmberOne), A2 (Świecko–Konin) und A4 (Katowice–Kraków).
Dort bezahlst du an den Mautstellen in der Regel bar oder mit Karte. Je nach Strecke geht es auch automatisch per Kennzeichen/App, z. B. AmberGO (A1) oder A4Go/Videotolling (A4). Für Fahrzeuge und Gespanne über 3,5 t läuft die Maut auf vielen staatlichen Strecken elektronisch über e-TOLL.
Für Fahrzeuge bis 3,5 t sind die staatlich verwalteten Abschnitte A2 Konin–Stryków und A4 Wrocław–Sośnica mautfrei. Mautpflichtig bleiben die Konzessionsautobahnen A1 Gdańsk–Toruń, A2 Świecko–Konin und A4 Katowice–Kraków. Für Fahrzeuge und Gespanne über 3,5 t gilt auf diesen staatlichen Abschnitten weiterhin Mautpflicht über e-TOLL (auch Busse).
Für Pkw bis 3,5 t zahlst du in Polen nur auf wenigen Autobahnabschnitten. Auf diesen mautpflichtigen Strecken kannst du grob mit folgenden Größenordnungen pro 100 km rechnen (Stand: 2025/2026):
– A1 (Rusocin–Nowa Wieś, 152 km kosten 29,90 zł): ca. 20 zł pro 100 km
– A2 (Świecko–Konin, Betreiber nennt rund 0,36 zł/km): ca. 36 zł pro 100 km
– A4 (Katowice–Kraków, 34 zł für 61 km): ca. 56 zł pro 100 km
Die Promillegrenze liegt bei 0,2. Das gilt auch für Radfahrer. Zwischen 0,2 und 0,5 gilt es als Ordnungswidrigkeit. Ab mehr als 0,5 ist es eine Straftat, meist mit Fahrverbot und je nach Fall auch mit Freiheitsstrafe. Seit dem 14. März 2024 können bei schweren Alkoholverstößen zusätzlich Maßnahmen bis hin zur Sicherstellung bzw. Einziehung des Fahrzeugs greifen.
Ja. In Polen können Bußgelder für Verkehrsverstöße sofort fällig werden, in der Regel in PLN, teils auch per Karte. Wenn du nicht zahlst, kann das in Polen weitere Maßnahmen nach sich ziehen, je nach Verstoß bis hin zu Fahrverbot oder Fahrzeugsicherstellung. In Deutschland können EU-Geldbußen grundsätzlich vollstreckt werden, wenn sie mindestens 70 Euro (inklusive Gebühren) betragen und die ausländische Behörde die Vollstreckung beantragt.