Die Natur in Polen – Zwischen Ostseeküste, Seen und Bergen
Die Natur in Polen umfasst sehr unterschiedliche Landschaftsräume. Im Norden prägen die Ostseeküste und die angrenzenden Küstenlandschaften das Bild. Dazu gehören Dünen, Kliffs und Küstenwälder. Im Landesinneren dominieren Tiefländer mit Seenplatten, großen Flusstälern und Mooren. Im Süden gehen diese Räume mit den Sudeten und den Karpaten in die Hochländer und Gebirge über. Durch diese Vielfalt an Landschaften und Lebensräumen zählt Polen zu den ökologisch vielfältigsten Ländern Europas.
In diesem Artikel zeigen wir dir die wichtigsten Landschaftstypen und Schutzgebiete in Polen und erklären, was sie prägt.
Natur in Polen – Landschaftsgürtel von der Ostseeküste bis zu den Karpaten
Polens Landschaft lässt sich grob in fünf Bereiche einteilen: die Ostseeküste, die nördlichen Seenlandschaften, das zentrale Tiefland, die südlichen Hochländer und die Gebirge. Diese Bereiche erstrecken sich wie breite Streifen von Nord nach Süd.
Rund 59,4 % der Fläche gelten als landwirtschaftliche Fläche (Stand 1. Januar 2023). Wälder bedecken 29,6 % des Landes (Stand Ende 2024).
Wichtige Fakten:
- Gesamtfläche: 312.685 km²
- Anzahl der Seen: ca. 9.300 Seen mit mehr als 1 ha Fläche
- Höchster Punkt: Rysy, 2.499 m
- Längster Fluss: Weichsel (Vistula), 1.047 km
Die Gebirgsregion im Süden Polens
Im Süden Polens liegen zwei große Gebirgsketten. Im Südwesten sind es die Sudeten. Entlang der Südgrenze schließen die Karpaten an. In Polen prägen vor allem die Tatra, die Beskiden und die Bieszczady das Bild.
Was die Gebirgsregionen in Polen für die Natur so besonders macht, ist der schnelle Wechsel der Lebensräume. Mit der Höhe ändern sich das Klima und die Vegetation. Dadurch liegen Wälder, Krummholz und offene Hochlagen oft nah beieinander. Das prägt auch die Tierwelt.
Sudeten: Karkonosze mit Hochmooren und eiszeitlichen Formen
In den polnischen Sudeten ist das Riesengebirge (Karkonosze) der markanteste Abschnitt. Hier liegt die Śnieżka (Schneekoppe). Ihre offizielle Höhe beträgt 1603,30 m. Die Hochlagen sind kein reines „Gipfelgebiet“. Sie haben eigene Ökosysteme.
Typisch sind die subalpinen Moorflächen auf der Hochebene rund um die Śnieżka. Dort wachsen großflächig Bergkieferngebüsche (Kosodrzewina). Dazu kommen ausgedehnte Torfmoore, die in den Karkonosze zu den wichtigsten nicht-waldigen Lebensräumen zählen.
Außerdem findest du hier deutliche Spuren der Eiszeit. Ein bekanntes Beispiel sind die Śnieżne Kotły. Das sind zwei glaziale Kare mit steilen Wänden. In den Kesseln liegen kleine Bergseen.
Karpaten: Tatra als Hochgebirge, Beskiden als Waldberge, Bieszczady als große Waldlandschaft
Die Tatra ist der höchste Teil der Karpaten. Sie liegt an der Grenze zwischen Polen und der Slowakei. Der höchste Gipfel der gesamten Tatra und der Karpaten ist der Gerlachovský Štít (2.655 m). Der höchste Punkt Polens liegt ebenfalls in der Tatra – der Berg Rysy (2.499 m). In der Hohen Tatra ist die Landschaft hochalpin geprägt. Dazu gehören Felswände und glaziale Formen. Viele Seen sind eiszeitlichen Ursprungs und liegen in ausgeformten Karmulden.
Auch die Tier- und Pflanzenwelt ist hier typisch hochgebirgig. In der Tatra leben Gämse und Murmeltiere. Außerdem kommen Braunbären vor. Bei den Pflanzen nennt der Nationalpark unter anderem Zirben und Edelweiß als charakteristische Arten der Tatra.
Weiter westlich und nördlich schließen die Beskiden an. Das ist eine Kette mehrerer Gebirgszüge. Große Bereiche sind bewaldet. Ein besonders bekanntes Naturgebiet ist das Babia-Góra-Massiv im Beskid Żywiecki. Der Gipfel Diablak erreicht 1.725 m Höhe. Am Massiv ist die Höhenstufung der Vegetation gut erkennbar. Oberhalb der Waldgrenze prägen Bergkieferngebüsche die Hänge. In den Lücken wachsen typische Zwergsträucher wie Heidelbeere und Preiselbeere. Der Nationalpark beschreibt außerdem eine artenreiche Tierwelt, darunter viele Vogel- und Spechtarten.
Ganz im Südosten liegen die Bieszczady. Sie gehören zu den Ostbeskiden. Für die Natur sind hier vor allem die großen Waldflächen wichtig. Der Bieszczadzki Park Narodowy nennt als charakteristische Säugetiere unter anderem Braunbär, Wolf, Luchs und Wildkatze. Auch der Wisent gehört zur Fauna der Region. Teile der Buchenwälder im Park sind Bestandteile des UNESCO-Welterbes der alten und ursprünglichen Buchenwälder.

Die südlichen Hochländer Polens
Nördlich der Gebirge verändert sich die Landschaft spürbar. Die steilen Höhen weichen einem breiten Gürtel aus Hochländern und Hügelländern. In der Geografie wird dieser Bereich häufig als Teil der Little Poland Uplands beschrieben. Dazu zählen unter anderem die Silesian-Kraków Uplands, das Nida-Becken, die Lubliner Hochländer und die Świętokrzyskie Berge.
Für die Natur in Polen ist dieser Gürtel spannend, weil dort sehr unterschiedliche Untergründe dicht nebeneinander liegen. Kalk, Sand und Löss wechseln sich ab. Entsprechend wechseln auch Böden, Vegetation und Lebensräume.
Kalkhochländer mit Karst, Felsen und Höhlen
Prägende Elemente sind die Kalkhochländer der Kraków-Częstochowa Upland. In diesem Gebiet prägen Kalkfelsen, Klippen und Trockentäler viele Landschaftsbilder. Der Karstuntergrund begünstigt zudem Höhlenbildung. Das Gebiet Kraków-Wieluń ist bekannt für seine über 1.800 entdeckte Höhlen.
Ein Teil dieser Karstlandschaft wird im Ojcowski Park Narodowy geschützt. Der Park liegt im Prądnik-Tal und gehört zur Kraków-Częstochowa Upland. Er besteht seit 1956.
Świętokrzyskie Berge mit Blockfeldern und Waldstufen
Weiter östlich liegen die Świętokrzyskie Berge. Sie wirken nicht alpin, haben aber eigene Naturformen. Der Nationalpark weist dort große Blockfelder auf. Sie heißen gołoborza. Dazu kommen Eichen-Hainbuchenwälder sowie Tannen- und Buchenwälder. Diese Kombination macht die Region im Hochlandgürtel unverwechselbar.
Lösshänge und Schluchten im Osten
In Teilen der Lubliner Hochländer prägen Lössdecken die Oberfläche. Ein typisches Landschaftselement sind Lössschluchten. Der Kazimierski Park Krajobrazowy weist darauf hin, dass die Lössschluchten rund um Kazimierz Dolny Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten bilden.
Solche Formen entstehen, wenn Wasser in weiche Lössböden einschneidet und tiefe Hohlwege bildet.
Je weiter du nach Norden gehst, desto flacher wird das Relief. Aus den Hochländern wird allmählich das große Tiefland Polens. Dort dominieren breite Flusstäler, Ebenen und großflächige Nutzlandschaften.
Das weite Land der zentralen Tiefebenen Polens
Die zentralen Tiefebenen nehmen einen großen Teil Polens ein. Das Relief ist meist flach bis sanft gewellt. Viele Formen und Böden gehen auf die Eiszeiten zurück. Schmelzwasser lagerte große Mengen an Sand, Kies und Schluff ab. Später wurde feines Material in Flussauen und Senken umgelagert.
Für die polnische Natur sind die Tiefebenen vor allem durch ihre Flusssysteme und Feuchtgebiete wichtig. Große Ströme wie die Weichsel und die Oder sowie mehrere Nebenflüsse schneiden breite Täler in die Landschaft. In ihren Auen liegen Altarme, Überschwemmungsflächen und Moorgebiete.
Zwischen den Flusstälern prägen Landwirtschaft und Wälder die Fläche. Das ist kein einheitlicher Raum. Es ist ein Mosaik aus Feldern, Kiefernwäldern auf Sandböden und nassen Senken.
Ein gutes Beispiel für diese Gegensätze ist der Kampinos-Nationalpark westlich von Warschau. Dort liegen Dünenzüge und Feuchtgebiete direkt nebeneinander. Die Dünen entstanden aus Sand, der nach der Eiszeit vom Wind umgelagert wurde. Der Nationalpark umfasst zwei Dünen- und zwei Sumpfgürtel. Die höchsten Dünen erreichen eine relative Höhe von bis zu 28 m.
Neben Natur und Landwirtschaft gehören auch Industrie- und Bergbaugebiete zu den Tiefländern. Besonders wichtig war dabei das Kohlebecken in Oberschlesien. Der Kohlebergbau wuchs im 19. Jahrhundert stark und trug zur Industrialisierung der Region bei. Gleichzeitig entstanden Umweltbelastungen, die bis heute eine Rolle spielen.
Die nördlichen Seenlandschaften – Wasserreiche Natur in Polen
Nördlich des zentralen Tieflands beginnt in Polen ein breiter Gürtel aus Seen und Hügeln. Wenn du dir eine physische Karte anschaust, siehst du diesen Streifen fast durchgängig von West nach Ost. Die Landschaft ist stark von den Eiszeiten geprägt. Gletscher haben Moränen, Rinnen und Becken hinterlassen. In vielen dieser Becken blieb Wasser stehen. So entstanden zahlreiche nachglaziale Seen.
In Polen gibt es rund 9.300 Seen mit einer Fläche von mehr als einem Hektar. Zusammen bedecken sie etwa ein Prozent des Staatsgebiets. Der größte Teil dieser Seen liegt in diesem nördlichen Gürtel. In einigen Teilräumen machen die Wasserflächen dort mehr als 10 % der Oberfläche aus.
Drei große Seenlandschaften
Für einen Überblick werden meist drei große Seenlandschaften unterschieden. Das sind die Pommersche Seenlandschaft, die Masurische Seenlandschaft und die Großpolnische Seenlandschaft. Sie bilden gemeinsam den typischen Seenplatten-Gürtel zwischen dem zentralen Tiefland und der Ostseeküste.
Pommersche Seenlandschaft
Die Pommersche Seenlandschaft liegt südlich der Ostseeküste im Nordwesten des Landes. Typisch sind zahlreiche Seen zwischen Moränenhügeln. Dazwischen liegen sandige Böden, Moore und kleinere Fließgewässer. Die Landschaft wirkt kleinteilig, weil Wälder, Feuchtgebiete und offene Flächen nah beieinander liegen. Die Seen sind meist glazial geformte Becken- oder Rinnenseen. Ein bekanntes Beispiel ist der Drawsko-See mit knapp 20 Quadratkilometern Fläche.
Masurische Seenlandschaft
Die Masurische Seenlandschaft im Nordosten ist das bekannteste Seengebiet Polens. Hier liegen mehr als 2.000 Seen. Viele von ihnen sind über Flüsse und Kanäle miteinander verbunden. Die Region umfasst eine große Fläche und schließt große Teile Ermlands und Masurens ein.
Der größte See Polens liegt in dieser Seenlandschaft. Das ist der Śniardwy mit rund 113,8 Quadratkilometern Fläche. Viele Seen sind flach bis mitteltief. An ihren Ufern liegen breite Röhrichtzonen. In den umgebenden Senken gibt es Niedermoore und Bruchwälder. Dadurch entstehen kurze Übergänge zwischen offenen Wasserflächen, Feuchtgebieten und Wald.
Großpolnische Seenlandschaft
Die Großpolnische Seenlandschaft liegt weiter westlich und südwestlich der Masuren. Auch sie geht auf das skandinavische Inlandeis zurück. Das Relief ist hier meist ruhiger. Seen liegen in flacheren Becken zwischen Moränenflächen und breiten Talzügen. Dazwischen findest du große Ackerflächen und Waldinseln.
Die Seen sind in dieser Region oft kleiner als in den Masuren, aber ebenfalls glazial entstanden. Sie liegen verstreut auf der Fläche. Zusammen mit Flusstälern und Feuchtgebieten entstehen Mosaike aus landwirtschaftlich genutzten Flächen, Wäldern und Gewässern.

Lebensräume rund um die Seen
Für die Natur sind nicht nur die Wasserflächen selbst wichtig. Entscheidend sind die Übergangsbereiche. Flache Ufer bilden breite Gürtel aus Schilf und anderen Röhrichtpflanzen. Nasse Senken werden zu Mooren oder zu Bruchwäldern mit Erlen und Weiden. Auf trockeneren, sandigen Standorten wachsen häufig Kiefernwälder.
In diesem Mosaik herrschen für viele Arten geeignete Bedingungen. Dazu gehören Wasservögel und andere Vogelarten, Amphibien, Insekten sowie Säugetiere wie Biber und Fischotter, die heute in vielen Gewässern des nordpolnischen Seengebietes wieder vorkommen.
Die polnische Ostseeküste – Dünen, Kliffs und Küstenwälder
Die polnische Ostseeküste erstreckt sich vom deutsch-polnischen Grenze bei Swinemünde auf Usedom im Westen bis zur Frischen Nehrung im Osten. Sie ist rund 500 Kilometer lang, liegt am südlichen Rand der Ostsee und ist zu großen Teilen eine flache, sandige Tieflandsküste.
Typisch sind lange Sandstrände, ausgedehnte Dünenzüge und nur wenige, dafür markante Steilufer. Viele Abschnitte werden von Nehrungen, Haffen und Küstenseen geprägt, die durch Sandablagerungen teilweise vom offenen Meer abgetrennt sind.
Sandstrände und Dünenküsten
Der größte Teil der polnischen Küste besteht aus Sandstränden mit vorgelagerten oder direkt anschließenden Dünen. Ein Großteil dieser Dünen entstand nach der letzten Eiszeit, als Wind Sand vom Strand in das Hinterland verlagerte. Heute nehmen Küstendünen entlang der polnischen Küste eine Fläche von etwa 35.000 Hektar ein und bilden den überwiegenden Teil der Küstenlinie.
Ein besonders markanter Abschnitt liegt im Słowiński-Nationalpark zwischen Łeba und Rowy. Hier befinden sich sogenannte Wanderdünen, die sich unter dem Einfluss von Wind und Wellen langsam ins Landesinnere verlagern. Einige Dünen erreichen Höhen von über 40 Metern und bewegen sich um mehrere Meter pro Jahr.

Im Hinterland dieser Dünen liegen große Küstenseen wie Łebsko und Gardno. Beide waren früher Meeresbuchten, die durch Sandablagerungen voneinander getrennt wurden. Łebsko gehört zu den größten Seen Polens und ist heute ein flaches Brackgewässer mit Verbindung zur Ostsee.
Kliffküsten und Steilufer
Neben den flachen Strandabschnitten gibt es an der polnischen Ostseeküste auch Steilufer. Besonders bekannt sind die Kliffs auf der Insel Wolin im Nordwesten. Dort fällt die Hochfläche der Insel zum Meer hin in steilen Hängen ab. Diese Kliffküste wird ständig von der Brandung unterspült und rückt langsam landeinwärts. Die Kliffs auf Wolin gehören zu den höchsten und längsten Steilufern an der polnischen Küste.
Kleinere Kliffabschnitte finden sich auch an anderen Stellen der Küste, zum Beispiel in der Umgebung von Gdynia. Auch dort sind es vor allem eiszeitlich geformte Hänge, die von den Wellen abgetragen werden.
Küstenseen, Haffe und Lagunen
Charakteristisch für die polnische Ostseeküste sind verschiedene Übergangsgewässer zwischen Fluss- und Meereseinfluss. Dazu gehören große Haffe, Lagunen und eine Reihe von Küstenseen.
Im Westen liegt das Stettiner Haff an der Odermündung. Es wird durch die Inseln Usedom und Wolin weitgehend von der offenen Ostsee getrennt und ist über mehrere Meeresarme mit der Pommerschen Bucht verbunden. Das Haff ist flach und stark vom Zufluss der Oder geprägt. Es ist ein wichtiges Feuchtgebiet mit ausgedehnten Ufer- und Flachwasserzonen.
Weiter östlich liegt die Weichsellagune, die durch die Weichselnehrung vom offenen Meer getrennt ist. Sie ist ein brackiges Binnengewässer und wird von der Weichsel sowie weiteren Zuflüssen gespeist. Die Lagune wird zwischen Polen und der russischen Exklave Kaliningrad geteilt.
Entlang der mittleren Küste reihen sich zudem mehrere Küstenseen. Dazu gehören unter anderem Łebsko, Gardno, Jamno, Bukowo und Resko Przymorskie. Einige dieser Seen sind über Kanäle mit der Ostsee verbunden und weisen brackige Verhältnisse auf. Andere sind überwiegend Süßwasserseen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie an der Schnittstelle zwischen Fluss, Grundwasser und Meer liegen und dadurch eine eigene Gruppe von Küstengewässern bilden.

Schutzgebiete an der Ostsee – Küstennatur in Polen bewahren
Mehrere Abschnitte der polnischen Ostseeküste stehen unter Schutz. Zwei Nationalparks spielen dabei eine zentrale Rolle. Der Wolin-Nationalpark schützt die Kliffküste, Buchenwälder und Teile des Stettiner Haffs rund um die Insel Wolin. Der Słowiński-Nationalpark umfasst Wanderdünen, Küstenseen, Moore und Küstenwälder zwischen Łeba und Rowy und ist zugleich UNESCO-Biosphärenreservat und Ramsar-Gebiet.
Daneben gibt es Landschaftsschutzparks und Natura-2000-Gebiete entlang großer Teile der Küste. Sie dienen vor allem dem Erhalt von Dünen, Küstenwäldern, Feuchtgebieten und Vogelrastplätzen.
Wasserstraßen der Natur – Polens Flüsse und ihre Bedeutung
Flüsse strukturieren die Natur in Polen über alle Landschaftsräume hinweg. Sie verbinden Gebirge, Tiefland, Seenlandschaften und die Ostseeküste und schaffen dazwischen ausgedehnte Auen und Feuchtgebiete.
Die wichtigste Wasserachse ist die Weichsel (Wisła). Sie entspringt im Süden in den Bergen und fließt quer durch das Land nach Norden zur Ostsee. Zusammen mit den großen Nebenflüssen Bug und Narew bildet sie das wichtigste Flusssystem Polens. Entlang dieser Flüsse liegen breite Talräume mit Flussauen, Altwässern und Überschwemmungsflächen, die vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten.
Im Westen prägt die Oder die Landschaft. Sie bildet auf weiten Strecken die Grenze zu Deutschland und ist nach der Weichsel der zweitlängste Fluss Polens. Mit ihren Nebenflüssen, darunter die Warthe, entwässert sie große Teile West- und Großpolens. Auch hier entstehen entlang der Flussläufe ausgedehnte Auenbereiche, die eine wichtige Rolle für den Natur- und Wasserhaushalt spielen.
Daneben gibt es zahlreiche weitere Flüsse, etwa San und Pilica sowie viele kleinere Zuflüsse der großen Ströme. Sie durchziehen Hochländer, Tiefländer und Seenplatten und verbinden dabei unterschiedliche Landschaftstypen. Zusammen bilden sie ein dichtes Netz von Wasserwegen, das die Natur in allen Regionen Polens mitprägt.
Nationalparks und andere Schutzgebiete in Polen
Rund 30 % der Fläche Polens sind von Wäldern bedeckt. Ein großer Teil dieser Wälder liegt in staatlicher Hand. Etwa ein Drittel des Landes steht in irgendeiner Form unter Schutz – von Nationalparks über Landschaftsparks bis hin zu Naturreservaten und Natura-2000-Gebieten.

Nationalparks – Die Natur in Polen schützen
In Polen gibt es 23 Nationalparks. Sie decken fast alle wichtigen Landschaftstypen ab – Gebirge, Urwälder, Seenlandschaften, Flusstäler und Küstenbereiche. Zusammen nehmen sie gut 1 % der Landesfläche ein.
In den Nationalparks regeln Schutzbestimmungen, wie die Gebiete genutzt werden dürfen. Typisch sind ein Wegegebot, begrenzte Zeltplätze und je nach Park unterschiedliche Regelungen für Hunde. Häufig wird in der Hauptsaison eine Eintrittsgebühr erhoben, teils auch für einzelne Wege oder Zonen. Welche Bereiche betroffen sind und welche Preise gelten, wird von den jeweiligen Parkverwaltungen festgelegt und kann sich zwischen den Parks deutlich unterscheiden.

Die wichtigsten Nationalparks in Polen
- Białowieski Park Narodowy – schützt Reste des Urwaldes der nordeuropäischen Tiefebene und ist ein wichtiges Gebiet für den Wisent.
- Tatrzański Park Narodowy – Hochgebirge an der Grenze zur Slowakei mit Felswänden, Karseen und ausgeprägten Höhenstufen der Vegetation.
- Bieszczadzki Park Narodowy – großflächige Waldkarpaten im Südosten mit Vorkommen von Braunbären, Wölfen und Luchsen.
- Woliński Park Narodowy – Kliffküste, Buchenwälder und Teile des Stettiner Haffs auf der Insel Wolin an der polnischen Ostsee.
- Słowiński Park Narodowy – Wanderdünen, Küstenseen und Moore an der mittleren Ostseeküste, zugleich UNESCO-Biosphärenreservat und Ramsar-Gebiet.
- Bory Tucholskie (Nationalpark Tucheler Heide) – große Wald- und Seenlandschaft im Bereich der Pommerschen Seenplatte, ebenfalls UNESCO-Biosphärenreservat.
Landschaftsparks
Neben den Nationalparks spielen die Landschaftsparks (parki krajobrazowe) eine wichtige Rolle. Sie verbinden Landschaftsschutz mit Nutzung und Erholung. In Polen gibt es 123 Landschaftsparks mit zusammen rund 25.000 km² Fläche. Das sind gut 8 % des Staatsgebiets.
Landschaftsparks schützen meist größere Kulturlandschaften mit Wäldern, Seen, Flusstälern und Dörfern. Beispiele aus dem Norden sind der Kashubische Landschaftspark in der Kaschubischen Schweiz oder die Landschaftsparks in der Tucheler Heide.
Weitere Schutzformen
Zusätzlich zu National- und Landschaftsparks gibt es in Polen über 1.500 Naturreservate, Schutzlandschaften und Natura-2000-Gebiete. Sie ergänzen den Schutz seltener Arten und Lebensräume. Außerdem gehören derzeit elf Gebiete in Polen zum UNESCO-Netz der Biosphärenreservate, darunter Białowieża, Babia Góra, Słowiński, Tatra, Karkonosze, Kampinos und die Tucheler Heide.
Umweltfragen in Polen
Polen steht im Umweltschutz zwischen Fortschritten und Altlasten. Seit 1990 sind die gesamten Treibhausgasemissionen (ohne Landnutzung) um rund 27 % gesunken, obwohl die Wirtschaft in dieser Zeit deutlich gewachsen ist. Gleichzeitig ist das Energiesystem weiterhin stark auf fossile Brennstoffe angewiesen. 2024 stammten noch etwa 56–57 % des Stroms aus Kohle, auch wenn der Anteil deutlich sank und erneuerbare Energien inzwischen rund 30 % erreichten.
Ein Teil der heutigen Umweltprobleme geht auf die Zeit intensiver Schwerindustrie zurück, insbesondere in Oberschlesien und anderen Industrieregionen. Dort wirkten Bergbau, Stahlproduktion und Kohlekraftwerke über Jahrzehnte auf Luft, Böden und Gewässer. Aktuelle Analysen zeigen, dass sich viele Indikatoren schrittweise verbessern. Gleichzeitig liegen Luftschadstoffwerte in Ballungsräumen teils noch über EU-Grenz- oder Richtwerten, und vorzeitige Todesfälle durch Feinstaubbelastung sind weiterhin ein Thema.
Auch bei Fragen zu Wasser und Abwasser besteht Handlungsbedarf. Polen hat seine Kläranlagen stark ausgebaut, erfüllt aber noch nicht alle Vorgaben der EU-Richtlinien. Die Europäische Kommission ist deshalb in einzelnen Punkten gegen Polen vorgegangen und mit der neuen EU-Abwasserrichtlinie die Anforderungen weiter verschärft, etwa hinsichtlich der Entfernung von Mikroschadstoffen.
Internationale Vergleiche zeigen, dass Polen bei Klimaschutz, Luftqualität und Wasserverwaltung erkennbare Fortschritte macht, aber im europäischen Rahmen weiterhin zu den Ländern mit erhöhtem Anpassungs- und Modernisierungsbedarf gehört. Das gilt insbesondere für den schnellen Umbau des Energiesystems, die Verringerung der Luftschadstoffemissionen sowie eine effizientere Nutzung von Material- und Energieressourcen.
Die Wiederbelebung des europäischen Bisons
Die Wisente (Bison bonasus), auf Polnisch żubr, sind die größten frei lebenden Landsäugetiere Europas. Ausgewachsene Bullen erreichen Gewichte von deutlich über 800 Kilogramm und können trotz ihrer massigen Statur Geschwindigkeiten von rund 50 km/h erreichen.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden Wisente in Europa fast ausgerottet. Die letzten freilebenden Tiere im Białowieża-Urwald verschwanden in den 1920er-Jahren. Der heutige Bestand geht auf wenige Dutzend Tiere aus Zoos und Tierparks zurück, die ab 1929 gezielt vermehrt und wieder ausgewildert wurden.
Heute leben wieder mehrere freilebende Herden in Polen, unter anderem im Urwald von Białowieża sowie in anderen Gebieten im Osten und Südosten des Landes. Wenn du dich genauer für Geschichte, Schutzprojekte und Beobachtungsmöglichkeiten interessierst, findest du mehr dazu in unserem ausführlichen Artikel über die Wisente in Polen.
Fazit – Natur in Polen im Überblick
Von den Karpaten im Süden bis zur Ostsee im Norden zieht sich in Polen eine Abfolge verschiedener Landschaftsgürtel. Dazu gehören Gebirge, südliche Hochländer, das zentrale Tiefland, die nördlichen Seenlandschaften und die Küstenregionen an der Ostsee. Jede dieser Zonen bringt eigene Formen von Relief, Böden und Lebensräumen mit sich. Dazu zählen Ur- und Bergwälder, Lösshänge und Karstgebiete, Flussauen und Moore sowie glazial geprägte Seenplatten und Dünen- und Kliffküsten.
Viele dieser Landschaften sind Ergebnisse der letzten Eiszeiten und einer langen Nutzungsgeschichte. Gleichzeitig wirken bis heute industrielle Altlasten, intensive Landwirtschaft und ein hoher Anteil an fossilen Energieträgern auf Böden, Wasser und Luft. Naturschutzgebiete, Nationalparks, Landschaftsparks und Biosphärenreservate greifen diese Spannungen auf. Sie sichern die typische Natur in Polen, erhalten Lebensräume für charakteristische Arten wie Wisent, Biber oder Fischotter und zeigen, wie vielfältig die natürlichen Landschaften des Landes sind.