Die Top-10-Spezialitäten der polnischen Küche

Polnisches Essen hat weltweit den Ruf, vor allem herzhaft und deftig zu sein. Tatsächlich bilden Fleischsorten wie Schwein, Rind und Geflügel zusammen mit Beilagen wie Kraut und Kartoffeln die Basis vieler Rezepte. Vor allem das kräftige Roggenbrot und unsere unzähligen Arten von Räucherwürsten fallen vielen Besuchern sofort auf.

Die folgenden zehn polnischen Spezialitäten begegnen dir überall in Polen und reichen vom einfachen Imbiss bis zum Festagsgericht.

1. Pierogi – gefüllte Teigtaschen

Pierogi sind das bekannteste polnische Essen und in fast jedem Restaurant zu finden. Die halbmondförmigen Teigtaschen werden meist in Salzwasser gekocht und anschließend oft noch kurz in der Pfanne angebraten.

typisch polnisches Essen: Pierogi mit Roter Bete
Rote-Bete-Pierogi sind ein typisches polnisches Essen

Bei den Füllungen gibt es kaum Grenzen. Die herzhafte Variante, die Pierogi Ruskie mit Kartoffeln und Quark, ist der Standard. Es gibt sie aber auch mit Fleisch, Pilzen oder Kohl. Im Sommer sind süße Füllungen aus Heidelbeeren oder Erdbeeren beliebt, die oft mit einem Klecks Sahne serviert werden.

Ein guter Anlaufpunkt ist die Pierogarnia Mandu in Danzig. Auf der Karte stehen dort über 35 verschiedene Pierogi-Sorten.

2. Bigos – polnischer Schmorkohl

Bigos ist ein herzhafter Krauteintopf und gilt als das Nationalgericht Polens. Die Basis besteht aus einer Mischung aus frischem Weißkohl und Sauerkraut. Dazu kommen verschiedene Fleischsorten, Speck und polnische Wurstwaren. Getrocknete Waldpilze, Zwiebeln und Gewürze wie Lorbeer und Piment verleihen dem Gericht sein herbes Aroma.

In vielen Familien wird Bigos über mehrere Tage hinweg immer wieder langsam aufgewärmt. Dadurch verbinden sich die Aromen und der Kohl verliert seine Säure. Da sich der Eintopf hervorragend vorbereiten und lagern lässt, ist er ein beliebtes Essen für größere Gesellschaften im Alltag und zum Weihnachtsfest.

3. Placki Ziemniaczane – polnische Kartoffelpuffer

Placki ziemniaczane sind ein polnisches Alltagsessen. Die Puffer werden aus fein geriebenen Kartoffeln, Zwiebeln, Eiern und etwas Mehl zubereitet und in der Pfanne goldbraun ausgebacken.

In Polen isst man sie klassisch mit einer Portion Sauerrahm oder ganz einfach mit Zucker bestreut. Wenn es herzhafter sein soll, werden sie oft mit einer kräftigen Gulaschsoße serviert. Diese Kombination findest du auf fast jeder Speisekarte unter dem Namen „Placki po węgiersku“ (ungarische Art).

Placki ziemniaczane Polnische Kartoffelpuffer
Placki Ziemniaczane sind polnische Kartoffelpuffer

4. Barszcz – die traditionelle Rote-Bete-Suppe

Der tiefrote Barszcz ist in Deutschland auch als „Borschtsch“ bekannt und zählt zu den wichtigsten Gerichten unserer Küche. Die Basis bildet eine kräftige Brühe aus Rote-Bete-Knollen, die der Suppe ihre intensive Farbe und eine leicht süßliche Note verleiht. In polnischen Restaurants wird Barszcz meist als klare Vorspeise serviert. Die gehaltvolleren Varianten mit Gemüseeinlage sind eher in der Alltagsküche zu Hause.

Besonders festlich wird die Suppe an Heiligabend serviert. Dann ist sie rein vegetarisch und enthält als Einlage Uszka. Diese kleinen, handgeformten Teigtaschen sind traditionell mit Waldpilzen und Zwiebeln gefüllt. Außerhalb der Festtage findest du oft auch Versionen mit Fleischfüllung oder serviert mit einer Krokiet, also einer panierten und gebratenen Pfannkuchenrolle.

Im Sommer wird der Barszcz anders zubereitet und kommt als Chłodnik auf den Tisch. Für diese kalte Variante mischen wir den Rote-Bete-Sud mit Sauermilch, Kefir oder Joghurt. Frische Gurken, Radieschen und viel Dill machen die Suppe zu einer beliebten Erfrischung an heißen Tagen an der Ostseeküste.

5. Gołąbki – polnische Kohlrouladen

Gołąbki, wörtlich übersetzt „Täubchen“, sind klassische Kohlrouladen. Für die Füllung verwenden wir traditionell eine Mischung aus Hackfleisch, Reis und fein gehackten Zwiebeln, die fest in blanchierte Weißkohlblätter eingewickelt wird. Die Rouladen werden anschließend im Ofen gebacken oder in einem Topf geschmort, meist zusammen mit einer kräftigen Tomaten- oder Pilzsoße.

In Polen kommen sie oft bei großen Familientreffen auf den Tisch, da sie sich gut in großen Mengen vorbereiten lassen. Als Beilage servieren wir meist Salzkartoffeln oder einfach ein Stück frisches Brot. Für die vegetarische Variante tauschen viele Köche das Fleisch gegen Waldpilze oder Buchweizen aus, was besonders in der Fastenzeit eine beliebte Alternative ist. 

6. Pączki – polnische Krapfen

Wenn du in Polen eine Bäckerei betrittst, kommst du an Pączki nicht vorbei. Auf den ersten Blick ähneln sie den deutschen Berlinern oder Krapfen, doch der Teig ist meist gehaltvoller und saugt beim Frittieren weniger Fett auf. Die klassische Füllung besteht aus Hagebuttenkonfitüre, aber auch Varianten mit Vanillecreme, Schokolade oder Eierlikör sind weit verbreitet.

Am „Fetten Donnerstag“ (Tłusty Czwartek), dem letzten Donnerstag vor der Fastenzeit, bilden sich vor den besten Konditoreien des Landes lange Schlangen, da es Tradition ist, mindestens einen dieser Krapfen zu essen. Bestreut werden Pączki meist ganz klassisch mit Puderzucker oder mit einer Glasur aus Zuckerguss und kandierten Orangenschalen verfeinert.

7. Żurek – Mehlsuppe aus Sauerteig

Die Żurek ist für viele Besucher die ungewöhnlichste, aber auch interessanteste Suppe Polens. Ihr charakteristischer, säuerlicher Geschmack entsteht durch Zakwas, einen Gäransatz aus Roggenmehl und Wasser. Besonders in Schlesien und Großpolen ist diese herzhafte Spezialität allgegenwärtig.

Traditionell wird die Suppe in einem ausgehöhlten Brotlaib, dem sogenannten Żurek w chlebku, serviert. Das Brot saugt das Aroma der Brühe auf und dient zugleich als Beilage. Die kräftige Säure des Roggens wird dabei harmonisch durch die Einlagen ausgeglichen. Meist sind das Stücke weißer Rauchwurst, Speck und ein hartgekochtes Ei. Ein Klecks Meerrettich oder Sauerrahm sorgt oft für die letzte feine Abstimmung.

Da jede Region und fast jede Familie ihr eigenes Geheimrezept für den Sauerteig-Ansatz pflegt, schmeckt die Żurek überall ein bisschen anders. Mancherorts verfeinern Köche die Brühe zusätzlich mit getrockneten Waldpilzen oder Majoran.

8. Sernik – polnischer Käsekuchen

Keine Kaffeetafel in Polen kommt ohne einen Sernik aus. Ihr Geheimnis liegt im Quark. Statt des in Deutschland üblichen cremigen Quarks verwenden wir Twaróg. Dieser feste, körnige Frischkäse wird für den Kuchen mehrfach passiert, behält dabei jedoch seine Struktur. Der polnische Sernik ist deutlich kompakter und schwerer als der lockere deutsche Käsekuchen.

Bei der Zubereitung gibt es unzählige Familientraditionen. Der Sernik wiedeński (nach Wiener Art) wird zum Beispiel ganz ohne Boden gebacken, während andere Rezepte auf einen dünnen Mürbeteig oder eine Haube aus Schokoguss setzen. Oft findest du im Teig auch Rosinen oder kandierte Orangenschalen. 

Oscypek –– geräucherter Schafskäse

Der Oscypek ist eine geschützte regionale Spezialität aus dem polnischen Hochgebirge, der Tatra. Dieser Hartkäse besteht aus gesalzener Schafsmilch und wird in hölzernen Formen in die typische Spindelform gepresst. Sein markantes Muster und das kräftige Raucharoma erhält er durch das tagelange Räuchern über Kiefern- oder Fichtenholz in den traditionellen Hirtenhütten, den Bacówki.

Am besten schmeckt der Käse, wenn er in dicke Scheiben geschnitten und auf dem Grill oder in der Pfanne erhitzt wird. Die Hitze intensiviert das Aroma und macht das Innere weich, während die Haut knusprig bleibt. In Polen servieren wir ihn fast immer mit einem Klecks Preiselbeermarmelade (Żurawina), da die Süße der Frucht einen guten Kontrast zum salzigen, rauchigen Geschmack des Käses bildet.

Für den echten Oscypek musst du auf die Saison zwischen Mai und Oktober achten, wenn die Schafe auf den Bergwiesen weiden. Außerhalb dieser Zeit oder im Flachland findest du oft ähnliche Käsesorten aus Kuhmilch, die zwar gut schmecken, aber nicht die gleiche geschmackliche Tiefe wie der echte Schafskäse erreichen.

Lecker Polnisch Essen: Oscypek
Genuss pur: Polnisch Essen mit traditionellem Oscypek-Käse

10. Kiełbasa – polnische Wurst

Die Kiełbasa gehört in Polen fast zu jeder Mahlzeit. Fast jede Region hat ihre eigene Rezeptur aus Schweine- und Rindfleisch, die mit Knoblauch, Pfeffer und Majoran gewürzt wird. Was unsere Wurst von vielen deutschen Sorten unterscheidet, ist das kräftige Räuchern über Obst- oder Buchenholz. Das sorgt für die dunkle Farbe und den intensiven Geschmack.

Die Auswahl reicht von der dicken Krakowska, die wir meist dünn aufgeschnitten auf dem Brot essen, bis zu den dünnen, luftgetrockneten Kabanosy. Diese sind besonders praktisch für unterwegs, weil sie nicht gekühlt werden müssen. In der warmen Küche landet die Kiełbasa oft als Einlage im Bigos oder wird ganz einfach mit Zwiebeln in der Pfanne gebraten. Im Sommer ist sie zudem das wichtigste Grillgut, klassisch serviert mit scharfem Senf und Meerrettich.

Mein Tipp: die Milchbars

Wenn du diese Gerichte unkompliziert und günstig probieren willst, such dir eine Milchbar (Mleczny). Das sind ehemalige Staatskantinen, die heute Kult sind. Dort gibt es keine Sterneküche, aber ehrliche Pierogi und Suppen zu sehr niedrigen Preisen. Du bestellst meist an der Kasse und bringst dein Tablett selbst zum Tisch – authentischer geht es kaum.

Ansonsten gilt: Die Portionen in Polen sind fast immer großzügig. Wenn du also mehrere Spezialitäten testen willst, fang am besten mit einer kleinen Suppe an.

Smacznego – guten Appetit!