Der Neptunbrunnen in Danzig

Der Neptunbrunnen vor dem Portal des Artushofes bildet seit 1633 den baulichen Abschluss der Danziger Langgasse. Seine Gestaltung orientiert sich an italienischen Prachtbrunnen und bricht mit der nordischen Backsteingotik der Umgebung. In der Bronzefigur des Meeresgottes manifestiert sich der Anspruch der Danziger Kaufleute, die Ostsee wirtschaftlich zu dominieren.

Der Brunnen geht auf eine Initiative des Bürgermeisters Bartholomäus Schachmann zurück, der die Architektur seiner Italienreisen in die Danziger Rechtstadt übertragen wollte. Mehrere europäische Handwerkszentren waren an der Herstellung beteiligt. Die Bildhauer Peter Husen und Johann Rogge entwarfen die Figur, die bereits 1615 in Augsburg gegossen wurde. Den architektonischen Rahmen aus Stein gestaltete Abraham van den Blocke. Zwischen dem Guss der Statue und der Inbetriebnahme im Jahr 1633 vergingen 18 Jahre. Technische Probleme bei der Wasserzuleitung und fehlende finanzielle Mittel verzögerten die Fertigstellung wiederholt.

Symbolik und architektonische Gestaltung

Neptun steht mit gesenktem Dreizack auf einer zentralen Säule. Diese Pose symbolisiert die Ambivalenz der Seefahrt: Sie drückt den Respekt vor der Naturgewalt aus und beansprucht zugleich deren Beherrschung. Das 1634 ergänzte Eisengitter dient über den Schutz hinaus auch repräsentativen Zwecken. Die eingearbeiteten Stadtwappen und polnischen Adler symbolisieren die politische Bindung Danzigs an das polnische Königreich.

Im 18. Jahrhundert überarbeitete Johann Karl Stender den Brunnen im Stil des Rokoko. Er fügte dem Beckenrand zusätzliche Meereskreaturen und Ornamente hinzu. Diese Ergänzungen bilden einen Kontrast zur strengen, manieristischen Grundform der Figur. In der heutigen Gesamtansicht wird so die stilistische Entwicklung von der Renaissance bis zum Rokoko direkt sichtbar.

Kriegsfolgen und lokale Mythen

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Bronzefigur demontiert und zum Schutz vor Luftangriffen in das Hinterland ausgelagert. Die umliegende Rechtstadt brannte 1945 nahezu vollständig aus, doch die Statue blieb unversehrt. Nach Kriegsende kehrte sie an ihren ursprünglichen Standort zurück. Besucher sehen heute ein Original aus dem 17. Jahrhundert inmitten einer rekonstruierten Kulisse.

Die regionale Bevölkerung, insbesondere die Kaschuben aus dem Danziger Umland, nennt den Meeresgott traditionell „Krësztof“. Eine bekannte Legende verknüpft das Monument mit dem Danziger Goldwasser. Neptun soll über die Münzen im Brunnenbecken so erzürnt gewesen sein, dass er mit seinem Dreizack ins Wasser schlug und das Gold in winzige Flocken zerschmetterte. Diese veredeln den Kräuterlikör der Stadt bis heute. 

Der Neptunbrunnen zählt nicht nur deshalb zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Danzigs, die man bei einem Aufenthalt auf jeden Fall gesehen haben muss.