Das Hohe Tor in Danzig

Das Hohe Tor in Danzig (polnisch: Brama Wyżynna) ist ein imposantes Renaissance-Stadttor und eines der bedeutendsten historischen Wahrzeichen der Stadt. Es befindet sich an der Adresse Wały Jagiellońskie 2A und markiert den westlichen Haupteingang zur Danziger Rechtstadt. Als Beginn des berühmten Königswegs diente es einst als prachtvoller Empfang für Monarchen und hochrangige Gäste, die die Stadt besuchten.

Nahaufnahme des Hohen Tors in Danzig, zeigt detaillierte Sandsteinfassade mit Wappen und Inschriften, drei Bogendurchgänge und Buckelsteinverkleidung.
Das Hohe Tor in Danzig – Ein beeindruckendes Beispiel der Renaissance-Architektur mit reich verzierten Wappen und lateinischen Inschriften.

Geschichte und Architektur

Das heutige Hohe Tor wurde zwischen 1586 und 1588 errichtet, nachdem die Danziger Ratsherren den Entwurf 1586 genehmigt hatten. Der flämische Baumeister Willem van den Blocke, der für seine herausragenden Arbeiten in Nordeuropa bekannt war, verwandelte das ursprünglich schlichte Wehrtor in ein prächtiges Renaissancebauwerk. Die Gestaltung des Tors erinnert an italienisch beeinflusste Stadttore in Antwerpen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, was den internationalen Charakter der Handelsstadt Danzig unterstreicht.

Das Tor ist ein beeindruckendes dreistöckiges Gebäude mit einer Höhe von etwa 16 Metern. Es verfügt über drei bogenförmige Durchgänge, wobei der mittlere als Hauptdurchfahrt diente und breiter als die seitlichen ist. Die Wände sind bis zum umlaufenden Gesims mit Buckelsteinplatten verkleidet, was dem Bauwerk eine robuste und zugleich elegante Erscheinung verleiht. Diese Verkleidung wurde allerdings erst 1884 hinzugefügt, um dem Tor ein noch imposanteres Aussehen zu verleihen.

Über dem Gesims erhebt sich eine reich mit Flachreliefs verzierte Attika. Diese Verzierungen umfassen nicht nur die Wappen, sondern auch filigrane pflanzliche Ornamente und allegorische Darstellungen, die die Bedeutung des Tors als Eingang zu einer wohlhabenden und kultivierten Stadt unterstreichen.

Symbolik und Inschriften

Die Sandsteinfassade des Hohen Tors ist mit bedeutungsvollen Wappen geschmückt, die die komplexe politische Geschichte Danzigs widerspiegeln. In der Mitte prangt das Wappen der Polnisch-Litauischen Union, ein Hinweis auf die Oberhoheit der polnischen Krone. Rechts befindet sich das Wappen von Danzig, das die Autonomie der Stadt symbolisiert, und links das Wappen von Königlich-Preußen, der Provinz, zu der Danzig gehörte. An der Ostfassade wurde 1884 zudem zusätzlich das Wappen des Deutschen Kaiserreiches angebracht, was die wechselnden Machtverhältnisse in der Region verdeutlicht.

Besonders bemerkenswert sind ebenso die lateinischen Sentenzen, die das Tor zieren und die Werte und Ideale der Stadt widerspiegeln:

  1. „Sapientissime fiunt omnia quae pro republica fiunt“ (Am vernünftigsten geschieht das alles, was dem Wohle der Republik dient)
  2. „Iustitia et pietas fundamenta sunt regnorum“ (Gerechtigkeit und Frömmigkeit bilden die Grundlagen aller Königreiche)
  3. „Civitatibus haec optanda bona maxime: pax libertas et concordia“ (Die für die Staaten am meisten erwünschten Güter sind Friede, Freiheit und Eintracht)

Diese Inschriften geben somit einen tiefen Einblick in das Selbstverständnis Danzigs als freie Handelsstadt und in die politische Philosophie der damaligen Zeit.

Entwicklung im Laufe der Zeit

Das Hohe Tor blieb fast 300 Jahre lang nahezu unverändert, was für seine herausragende Bauqualität spricht. Erst 1861 wurden die Fassaden umfassend renoviert, um das Tor an die veränderten ästhetischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts anzupassen. Eine bedeutende strukturelle Veränderung erfolgte 1878, als das Innentor abgebrochen wurde, um die Durchfahrt zu verbreitern und dem zunehmenden Verkehr gerecht zu werden.

Die bereits erwähnte Verkleidung mit Buckelsteinplatten im Jahr 1884 war Teil einer umfassenderen Verschönerungskampagne der Stadt. Diese Maßnahme verlieh dem Tor sein heutiges charakteristisches Aussehen und verstärkte seinen wehrhaften Charakter.

Bemerkenswert ist, dass das Hohe Tor die Kriegsereignisse von 1945, die weite Teile Danzigs zerstörten, fast unbeschadet überstand. Dies erhöht seine Bedeutung als authentisches historisches Denkmal und als Symbol für die Widerstandsfähigkeit der Stadt erheblich.

Weitwinkelaufnahme des Hohen Tors in Danzig mit einer Freiluftausstellung im Vordergrund, Menschen betrachten Informationstafeln vor dem imposanten Renaissance-Bauwerk.
Das Hohe Tor als lebendiger Kulturort: Immer wieder gibt es hier temporäre Ausstellung vor dem historischen Eingangstor zur Danziger Rechtstadt.

Bedeutung für Besucher heute

Heute dient das Hohe Tor als idealer Ausgangspunkt für Erkundungen der Danziger Altstadt. Denn es beherbergt eine Touristeninformation für die Region Pommern, die wertvolle Tipps und Informationen für Besucher bereithält. Hier können Touristen Stadtpläne, Broschüren sowie Auskünfte über Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen und Unterkünfte erhalten.

Der Platz vor dem Tor wird zudem oft für temporäre Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen genutzt, was die anhaltende Bedeutung des Bauwerks für das städtische Leben unterstreicht. Von hier aus können Besucher den historischen Königsweg entlang der Langgasse bis zum Langen Markt und weiter zum Grünen Tor am Ufer der Mottlau folgen, wobei du zahlreiche weitere bedeutende Sehenswürdigkeiten Danzigs passierst.

Fazit – Hohe Tor in Danzig

Das Hohe Tor ist nicht nur ein beeindruckendes Beispiel der Renaissance-Architektur, sondern auch ein Schlüssel zum Verständnis der Danziger Geschichte. Als westlicher Eingang zur Rechtstadt und Beginn des historischen Königswegs bietet es einen idealen Startpunkt für Stadtbesichtigungen. Seine reich verzierten Fassaden mit Wappen und lateinischen Inschriften erzählen von Danzigs wechselvoller Vergangenheit als freie Handelsstadt. Heute beherbergt das Tor eine Touristeninformation und lädt Besucher ein, die faszinierende Altstadt Danzigs zu erkunden.

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