Die Katharinenkirche

Die Katharinenkirche (Kościół św. Katarzyny) an der Ulica Rajska ist das älteste sakrale Bauwerk der Danziger Altstadt. Der Backsteinbau steht gegenüber der Großen Mühle und grenzt den ursprünglichen Siedlungskern von den nördlichen Stadtteilen ab. Weithin sichtbar ist der 76 Meter hohe Westturm mit seinem Glockenspiel aus 50 Bronzeglocken. In der Architektur der Kirche trifft das gotische Mauerwerk des Kirchenschiffs unmittelbar auf die barocke Formensprache des Turmhelms.

Baugeschichte und Architektur

Ab 1230 entstand die Katharinenkirche als steinerner Kernbau anstelle einer hölzernen Kapelle aus dem 12. Jahrhundert. Ihre Form als dreischiffige Hallenkirche erhielt sie im 14. und 15. Jahrhundert durch den Anbau des Chors, der Seitenkapellen und des Westturms.

Der Turm erreicht eine Gesamthöhe von 76 Metern. Sein spätgotisches Fundament trägt seit 1634 einen barocken Helm, den der Stadtzimmermann Jakob van den Blocke entwarf. Aufgrund dieser Höhe dient das Bauwerk als Fixpunkt in der nördlichen Altstadt Danzigs. Die Außenfassade besteht aus schlichtem Backsteinmauerwerk, das an der Ostseite durch gestufte Ziergiebel unterbrochen wird.

Innenraum und Ausstattung

Acht schlanke Pfeiler unterteilen das Innere in drei Schiffe und tragen ein komplexes Stern- und Netzgewölbe aus dem frühen 16. Jahrhundert. Diese Bauweise ist typisch für die großformatige Backsteinarchitektur der Danziger Spätgotik.

Im Kirchenschiff befindet sich die Grabstätte des Astronomen Johannes Hevelius (1611–1687). Da die Kirche mehrfach ausbrannte, gehört die Grabplatte zu den wenigen Ausstattungsstücken, die sich noch an ihrem ursprünglichen Platz befinden. An den Wänden sind zudem zahlreiche Epitaphien und Grabdenkmäler erhalten. Diese Arbeiten dokumentieren den sozialen Status der damaligen Gemeinde sowie das handwerkliche Niveau der lokalen Steinmetzkunst. Ein Großteil der ursprünglichen Kunstschätze, darunter das Triptychon von Anton Möller, wird heute im Danziger Nationalmuseum verwahrt.

Zerstörung und Wiederaufbau der Katharinenkirche

Im März 1945 brannte die Katharinenkirche während der Kämpfe um Danzig fast vollständig aus, wobei die Gewölbe einstürzten. Der Wiederaufbau der Architektur dauerte bis 1967. Ein erneuter Brand im Jahr 2006 zerstörte den Dachstuhl und beschädigte das Innere erneut. Die daraufhin eingeleiteten Sanierungsarbeiten endeten 2016 mit der vollständigen Instandsetzung des Baus.

Im Westturm befindet sich ein Carillon mit 50 Bronzeglocken. Das ursprüngliche Instrument ging im Zweiten Weltkrieg verloren. Ab den 1980er-Jahren wurde das Glockenspiel mit internationaler Unterstützung rekonstruiert und 1989 eingeweiht. Mit seinem Umfang von vier Oktaven gehört es zu den größten Glockenspielen Europas. Die Glocken werden für regelmäßige Konzerte sowie für das automatische Zeitschlagen genutzt.

Turm der Katharinenkirche in Danzig
Die Katharinenkirche mit ihrem Glockenturm ist eine berühmtesten Sehenswürdigkeiten in Danzig

Praktische Informationen

Im Turm der Katharinenkirche befindet sich zudem das Museum für Turmuhren (Muzeum Zegarów Wieżowych), eine Zweigstelle des Museums in Danzig.

  • Adresse: Ul. Rajska, 80-850 Gdańsk (gegenüber der Großen Mühle)
  • Öffnungszeiten: Die Kirche ist tagsüber für Besichtigungen zugänglich, sofern keine Gottesdienste stattfinden.