Die Frauengasse (Ulica Mariacka) in Danzig

Die Frauengasse (Ulica Mariacka) gilt als eine der architektonisch sehenswertesten Straßen der Danziger Rechtstadt. Auf einer Länge von rund 200 Metern verbindet sie die Marienkirche im Westen mit dem Frauentor an der Mottlau. Das Ensemble wird heute fast vollständig von Bernsteinwerkstätten und Cafés genutzt und zeichnet sich durch seine geschlossene historische Bebauung mit den historischen Beischlägen und spätgotischen Steinarbeiten aus.

Geschichte der Frauengasse

Im 15. Jahrhundert trug der Straßenzug den Namen „Fischerbuden“. Die Bezeichnung verweist auf die Anfänge als einfache Siedlung für Handwerker und Fischer, bevor wohlhabende Bürger und im 17. Jahrhundert verstärkt Gold- und Silberschmiede das Viertel übernahmen. Auf diese Tradition geht die heutige Konzentration von Bernsteinwerkstätten zurück.

Einzigartig für die Gasse sind die Beischläge (Przedproża). Diese erhöhten Terrassen schützten die Eingänge und Keller ursprünglich vor dem Hochwasser der Mottlau. Später nutzten die Bewohner die Vorbauten zur Repräsentation ihres Standes. Über breite Steintreppen gelangt man zu Plattformen, die seitlich von massiven Steinwangen begrenzt werden. Bildhauer verewigten darin Wappen, biblische Szenen oder mythologische Gestalten. Während diese Strukturen im 19. Jahrhundert vielerorts dem Straßenverkehr weichen mussten, blieben sie in der Frauengasse als geschlossenes Ensemble erhalten. Nach den Zerstörungen von 1945 wurden die Anlagen originalgetreu rekonstruiert.

Architektur und Sehenswürdigkeiten

Die Marienkirche

Die Marienkirche (Kościół Mariacki) entstand zwischen 1343 und 1502 auf romanischen Fundamenten als dreischiffiger Backsteinbau mit Querhaus. Das Bauwerk misst 105 Meter Länge und 82 Meter Höhe. Eine Besonderheit besteht in der Statik, denn die Baumeister verlegten die Stützelemente in den Innenraum. Dort fangen Trennwände zwischen den 29 Seitenkapellen den Gewölbeschub auf. Diese Konstruktion ermöglicht eine weite Hallenstruktur ohne äußere Strebepfeiler. 37 Fensterflächen beleuchten den Innenraum, den die Stern-, Netz- und Kristallgewölbe aus dem frühen 16. Jahrhundert überspannen.

Nach den Zerstörungen von 1945 dauerte der Wiederaufbau bis 1955. Das Gebäude wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach die Konfession und diente fast 400 Jahre als lutherische Hauptkirche, bevor es zur katholischen Konkathedrale wurde. In der Halle befinden sich bedeutende Kunstschätze wie der spätgotische Hochaltar und eine monumentale astronomische Uhr. Ein Aufstieg über 402 Stufen führt zur Aussichtsplattform des Turms mit Blick über die Stadt und die Danziger Bucht.

Die Danziger Wasserspeier

An den Nord- und Südseiten der Marienkirche leiten steinerne Wasserspeier das Regenwasser vom Dach ab. Diese spätgotischen Figuren entstanden im 15. und 16. Jahrhundert und zeigen Gestalten wie Dämonen, Drachen oder Tierköpfe. Die Steinmetze gaben ihnen absichtlich groteske Züge; sie sollten nach damaliger Vorstellung das Böse symbolisch vom Kirchenbau fernhalten und gleichzeitig das Mauerwerk vor Feuchtigkeit schützen.

Insgesamt gibt es rund 40 dieser Exemplare, die zumeist aus Sandstein gehauen und teilweise mit Blattkonsolen verziert sind. Die Skulpturen unterbrechen die großen Backsteinflächen und setzen einen Kontrast zur vertikalen Ausrichtung der Fenster. Obwohl viele Figuren im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurden, konnten sie in der Nachkriegszeit rekonstruiert werden.

Das Frauentor

Das Frauentor (Brama Mariacka) bildet den östlichen Abschluss hin zur Mottlau. Der um 1450 errichtete spätgotische Bau war Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Die Fassade wird durch drei spitzbogige Durchfahrten sowie einen Zinnenkranz mit Blendbögen gegliedert und zeigt Wappenreliefs von Danzig, Polen-Litauen und Preußen. Unmittelbar nördlich schließt das Haus der Naturforschenden Gesellschaft an. Dieser Renaissancebau beherbergt heute das Archäologische Museum.

Shopping und Bernsteinhandel

​Heute ist die Frauengasse das Zentrum des Danziger Bernsteinhandels. Die Werkstätten befinden sich überwiegend in den Hochparterres und Kellergeschossen der Patrizierhäuser. Qualitativ hochwertiges Kunsthandwerk lässt sich oft an den Zertifikaten der International Amber Association erkennen, die viele der lokalen Galerien führen. 

Gastronomie und Cafés

  • Drukarnia Café: Specialty Coffee Shop und ehemaliger Druckereibetrieb. Guter Kaffee, stylisches Ambiente mit historischem Charme, Croissants und Kuchen sowie vegane und glutenfreie Optionen. Preislich teurer, aber mit exzellenter Qualität. 
  • Café Mariacka: polnische und europäische Küche mit Frühstück
  • Café Mother and Daughter: Gemütliche, alternative Atmosphäre direkt nahe der Marienkirche. Gute Kaffeeauswahl und hausgemachte Kuchen. 
  • OSTRO – Neapolitanische Pizza: Travellers‘ Choice Award 2025. Hochwertige neapolitanische Pizza mit frischen Zutaten. Hundefreundlich, Sitzplätze innen und außen.​

Praktische Tipps für den Besuch der Frauengasse in Danzig

Die frühen Morgenstunden ermöglichen eine Besichtigung ohne Menschenmengen. Im Gegensatz dazu hebt die abendliche Beleuchtung die Reliefs der Fassaden stärker hervor. Personen mit eingeschränkter Mobilität müssen mit Hindernissen rechnen. Das historische Kopfsteinpflaster erschwert den Zugang und die meisten Geschäfte sind nur über Treppen erreichbar.

Lage

Die rund 200 Meter lange Gasse erstreckt sich zwischen der Marienkirche und dem Frauentor in unmittelbarer Nähe zum Langen Markt