Langer Markt (Długi Targ) in Danzig
Der Lange Markt in Danzig (Długi Targ) bildet gemeinsam mit der Langgasse (ulica Długa) die zentrale Achse der Danziger Rechtstadt. Der etwa 190 Meter lange, oval angelegte Platz entstand bereits im 13. Jahrhundert als Handelsweg. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dieser Bereich jedoch von einem reinen Marktplatz zur repräsentativen Zone für das wohlhabende Patriziat und die Stadtverwaltung.
Geschichte und Entwicklung
Die heutige Gestalt des Langen Marktes ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung, die im 16. und 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte. In dieser Epoche ließen reiche Kaufmannsfamilien ihre Häuser im Stil des flämischen Manierismus und des Barocks umgestalten, um ihren wirtschaftlichen Erfolg zu dokumentieren. Zudem diente der Platz als Teil des „Königswegs“, auf dem polnische Monarchen bei feierlichen Einzügen in die Stadt zogen.
Nach der fast vollständigen Zerstörung im März 1945 erfolgte in den 1950er Jahren ein systematischer Wiederaufbau. Dabei orientierte man sich streng an historischen Ansichten und Stichen. Allerdings rekonstruierte man dabei primär die Fassaden. Das Innere wurde an moderne Anforderungen angepasst.

Sehenswürdigkeiten am Langen Markt in Danzig
Neptunbrunnen
Als Symbol der maritimen Macht Danzigs steht der Neptunbrunnen zentral vor dem Artushof. Die Bronzefigur des Meeresgottes wurde 1615 in Augsburg nach Entwürfen von Peter Husen und Johann Rogge gegossen, konnte jedoch erst 1633 unter Abraham van den Blocke eingeweiht werden. Ein schmiedeeisernes Gitter mit den Danziger Wappen schützt die Anlage seit 1641. In der lokalen Folklore ist der Brunnen zudem eng mit der Entstehung des Danziger Goldwassers verknüpft, da der Legende nach Neptun mit seinem Dreizack Goldmünzen in feine Flocken zerstieß.

Rechtstädtisches Rathaus (Ratusz Głównego Miasta)
Das Rathaus markiert den Übergang von der Langgasse zum Langen Markt und ist mit seinem 81 Meter hohen Turm weithin sichtbar. Auf dessen Spitze steht eine vergoldete Statue von König Sigismund II. August als Windfahne. Im Inneren befindet sich der Rote Saal (Sommerratssaal). Der Saal ist ein Hauptwerk des Danziger Manierismus und beherbergt 25 Deckengemälde von Isaac van den Blocke aus dem Jahr 1608.
Artushof (Dwór Artusa)
Unmittelbar hinter dem Neptunbrunnen befindet sich der Artushof, der ab 1342 als Treffpunkt der Kaufmannsbruderschaften diente. Die heutige Fassade von 1617 ist ein Werk von Abraham van den Blocke und zeigt Skulpturen antiker Helden sowie christliche Allegorien. Im großen Saal im Inneren steht der weltberühmte, elf Meter hohe Renaissance-Kachelofen von 1545. Er besteht aus 520 handbemalten Kacheln, die Porträts europäischer Herrscher, biblische Szenen und mythologische Motive abbilden.

Goldenes Haus (Złota Kamienica)
Das Haus Nr. 41 wurde bis 1618 für den Bürgermeister Johann Speymann errichtet. Die Fassade ist mit aufwendigen vergoldeten Reliefs, Atlanten und Statuen geschmückt, die Figuren wie Achilles, Ödipus und Kleopatra darstellen. Die Ikonografie versinnbildlicht Reichtum und humanistische Tugenden.
Grünes Tor (Brama Zielona)
Den östlichen Abschluss zur Mottlau bildet das Grüne Tor. Es wurde zwischen 1564 und 1568 von Hans Kramer und Regnier de Rijn im Stil des Amsterdamer Manierismus erbaut. Die geplante Nutzung als königliche Residenz wurde kaum umgesetzt. Heute beherbergt das Bauwerk eine Abteilung des Nationalmuseums.

Tipps für deinen Besuch
Stadtführungen
Thematische Rundgänge durch die Rechtstadt konzentrieren sich meist auf den Königsweg. Diese Führungen vermitteln Details zur Architektur des flämischen Manierismus und zur Geschichte der Danziger Gilden.
Cafés & Restaurants
Die Erdgeschosse der Patrizierhäuser am Langen Markt werden fast durchgehend gastronomisch genutzt. Das Angebot reicht von traditioneller polnischer Küche (z. B. Pierogi) bis hin zu spezialisierten Fischrestaurants. In den Nebenstraßen finden sich zudem zahlreiche Bars, die das lokale Danziger Goldwasser führen.
Fotografieren
Die beliebtesten Motive sind der Neptunbrunnen mit der Fassade des Artushofs im Hintergrund. Eine weite Perspektive auf das gesamte Ensemble bietet der Torbogen des Grünen Tores mit Blickrichtung zum Rathausturm. In den frühen Morgenstunden ist die Lichtwirkung auf der Fassade des Goldenen Hauses am stärksten.
Lage
Der Lange Markt ist das Zentrum der Rechtstadt (Główne Miasto). Von den umliegenden Sehenswürdigkeiten wie der Marienkirche oder der Mottlau-Uferpromenade ist der Platz in wenigen Minuten erreichbar.
Vom Hauptbahnhof (Gdańsk Główny) führt ein ca. 15- bis 20-minütiger Fußweg durch das Hohe Tor zum Langen Markt. Alternativ halten die Straßenbahnlinien an den Stationen „Brama Wyżynna“ oder „Dom Fahrenheita“ in unmittelbarer Nähe des historischen Zentrums.
Die Rechtstadt ist größtenteils Fußgängerzone. Gebührenpflichtige Parkplätze und Parkhäuser befinden sich am Rand der Altstadt (z. B. im Bereich der Podwale Staromiejskie oder am Hagelsberg). Aufgrund der Parkplatzknappheit und der engen Einbahnstraßenregelung ist das Parken außerhalb des Zentrums mit anschließendem kurzen Fußweg ratsam.