Die Langgasse (Ulica Długa)
Die Langgasse bildet zusammen mit dem Langen Markt die zentrale Achse der Danziger Rechtstadt. Als Teilstück des Königswegs diente sie zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert für die zeremoniellen Einzüge polnischer Monarchen. Wer durch das Goldene Tor tritt, blickt auf eine geschlossene Front aus rekonstruierten Patrizierhäusern, die das wirtschaftliche und politische Selbstbewusstsein der einstigen Hansestadt widerspiegeln. Dieser Anblick ist das Ergebnis einer beispiellosen Rekonstruktionsleistung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Handelsweg und Patriziersitz
Die Langgasse entstand im 13. Jahrhundert und wurde 1331 erstmals als longa platea erwähnt. Mit dem Aufstieg Danzigs zur Handelsmetropole verdrängten massive Steinhäuser die ursprüngliche Holzbebauung. Da die Grundstücke schmal und tief waren, zogen die Baumeister die Fassaden in die Höhe und verzierten sie prunkvoll. In dieser Straße konzentrierte sich das Leben der städtischen Elite, wobei Bürgermeister, Ratsherren und Großkaufleute die Architektur als Statussymbol ihres Reichtums nutzten.
Die Bedeutung als Königsweg festigte sich nach 1457 durch den Einzug König Kasimirs IV. Jagiello, was die Gasse zur wichtigsten Repräsentationsmeile Preußens machte.

Architektur und Sehenswürdigkeiten
Den Eingang zur Langgasse markiert im Westen das Goldene Tor, das als Meisterwerk des flämischen Manierismus aus dem frühen 17. Jahrhundert gilt. Dahinter öffnet sich eine Flucht aus kunstvoll verzierten Fassaden, die Stilelemente der Renaissance, des Barock und des Rokoko vereinen.
Ein konkretes Beispiel für die einstige Wohnkultur der Oberschicht bietet das Uphagenhaus in der Hausnummer 12. Es ist das einzige Bürgerhaus des 18. Jahrhunderts in Polen, das in seiner ursprünglichen Raumaufteilung für Besucher zugänglich bleibt. Die Architektur verdeutlicht das Leben der Danziger Elite zwischen Prunkgemächern und funktionalen Wirtschaftshöfen. Durch die schmalen Parzellen entstand eine charakteristische, fast schluchtartige Wirkung der Straße.
Zerstörung und Wiederaufbau der Langgasse
Im März 1945 brannte die Langgasse infolge der Kriegshandlungen nahezu vollständig aus. Das heutige Stadtbild resultiert aus einer gezielten städtebaulichen Entscheidung der Nachkriegszeit, bei der man auf moderne Neubauten verzichtete. Stattdessen rekonstruierten die Planer das Erscheinungsbild der Epoche zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Spätere preußische Umbauten des 19. Jahrhunderts wurden dabei oft ignoriert, um die goldene Ära Danzigs zu betonen.
Der heute sichtbare Granitbelag trat erst zutage, als man nach dem Krieg die alten Straßenbahnschienen entfernte und die Gasse zur reinen Fußgängerzone erklärte.
Die Langgasse heute: Zwischen Museum und Flaniermeile
Die Langgasse bildet den Auftakt einer fast einen Kilometer langen Achse, die etwa in der Mitte fließend in den Langen Markt übergeht. An diesem Punkt befinden sich viele der Bauwerke, die zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Danzig gehören und die man bei einem Besuch auf jeden Fall gesehen haben muss. Dazu zählen das Rechtstädtische Rathaus mit seinem 80 Meter hohen Turm sowie der Neptunbrunnen aus dem Jahr 1633.
Einst wurden in den Erdgeschossen der rekonstruierten Häuser in der Langgasse Salz und Getreide gehandelt. Heute dagegen bestimmen zahlreiche Geschäfte, Cafés und Restaurants das Stadtbild und machen die berühmte Straße bei Touristen wie Einheimischen gleichermaßen beliebt.